PHQ-9 Selbsttest
Beantworte alle 9 Fragen, um deinen Score zu ermitteln. Bezugszeitraum: die letzten zwei Wochen.
Warum jede Frage wichtig ist
Der PHQ-9 sieht harmlos aus. Neun Fragen, vier Antwortstufen, Score am Ende. Aber jedes Item misst eine andere Facette depressiver Symptomatik. Wer die Fragen versteht, kann sich differenzierter einschätzen.
In diesem Cluster gehe ich jede Frage durch. Was sie misst, warum sie drin ist, und worauf du beim Beantworten achten solltest.
Die Skala kurz wiederholt
Jede Frage bezieht sich auf die letzten zwei Wochen und wird auf einer Skala von 0 bis 3 beantwortet:
- 0: Überhaupt nicht
- 1: An einzelnen Tagen
- 2: An mehr als der Hälfte der Tage
- 3: Beinahe jeden Tag
Maximal 27 Punkte. Score-Bereiche und Schweregrade findest du in unserem Leitfaden zu klinischen Fragebögen.
Die 9 Items im Überblick
Item 1: Wenig Interesse oder Freude an deinen Tätigkeiten
Misst Anhedonie, also den Verlust an Freude. Anhedonie ist eines der zwei Kernsymptome depressiver Episoden im DSM-5.
Worauf du achten solltest: Es geht nicht um „weniger Freude als andere Menschen", sondern um weniger Freude als sonst bei dir. Vergleich mit deinem eigenen Normal.
Item 2: Niedergeschlagenheit, Schwermut oder Hoffnungslosigkeit
Misst gedrückte Stimmung, das zweite Kernsymptom. Wenn Item 1 oder Item 2 hoch sind, ist das diagnostisch relevant.
Worauf du achten solltest: Hoffnungslosigkeit ist schwerwiegender als reine Traurigkeit. Wenn du die letzten zwei Wochen oft das Gefühl hattest, dass nichts mehr besser wird, gehört das hierher.
Item 3: Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen oder zu viel Schlaf
Misst Schlafstörungen, in beide Richtungen. Insomnie und Hypersomnie sind beide Symptome.
Worauf du achten solltest: Wenn du wegen eines Babys oder Schichtarbeit schlecht schläfst, ist das nicht das, was hier gemeint ist. Es geht um Schlafprobleme, deren Ursache innen liegt.
Item 4: Müdigkeit oder Energiemangel
Misst vegetative Erschöpfung, also Müdigkeit, die nicht mit Schlaf weggeht.
Worauf du achten solltest: Wenn du körperlich krank bist, hast du auch Energiemangel. Das macht den PHQ-9 in solchen Phasen unscharf. Trenne in Gedanken körperliche Ursachen von psychischen.
Item 5: Verminderter Appetit oder übermäßiges Bedürfnis zu essen
Auch hier in beide Richtungen. Appetit-Verlust und Heißhunger sind beides Symptome.
Worauf du achten solltest: Diäten oder bewusste Ernährungsumstellungen zählen nicht. Es geht um ungewollte Veränderungen.
Item 6: Schlechte Meinung von dir selbst, Versagensgefühl
Misst kognitive Verzerrungen im Selbstbild. Selbstkritik bis hin zum Gefühl, deine Familie oder dich selbst enttäuscht zu haben.
Worauf du achten solltest: Realistische Selbstkritik nach echtem Versagen ist nicht das gleiche wie ein generalisiertes Versagensgefühl. Es geht um die zweite Variante.
Item 7: Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren
Misst kognitive Beeinträchtigung. Konzentrationsprobleme bei alltäglichen Dingen wie Lesen, Fernsehen oder Arbeiten.
Worauf du achten solltest: Ablenkungen durch Smartphones oder offene Bürolandschaften sind nicht das, was hier gemeint ist. Es geht um Konzentration, die innen blockiert ist.
Item 8: Verlangsamung oder Unruhe, sodass es anderen aufgefallen ist
Misst psychomotorische Veränderungen, also Bewegungs- oder Sprechmuster, die sich verändern.
Worauf du achten solltest: Das einzige Item mit einem externen Marker. Wenn niemand dir gesagt hat, dass du langsamer oder unruhiger wirkst, ist die Antwort meistens 0.
Item 9: Gedanken, dass du lieber tot wärst oder dir Leid zufügen möchtest
Das kritische Item. Misst suizidale Gedanken.
Worauf du achten solltest: Wenn du hier eine 1 oder höher angibst, hol dir Unterstützung. Auch flüchtige Gedanken zählen. Das ist kein Versagen, es ist ein Signal, das ernst gehört. Eine Studie von Simon et al. (2013) zeigte, dass selbst ein Wert von 1 auf Item 9 mit einem 10-fach erhöhten Suizidrisiko in den folgenden 12 Monaten verbunden ist. Dieses Item ist kein Bonus, es ist klinisch entscheidend.
In Deutschland erreichst du die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder online unter telefonseelsorge.de.
Wie du den Score nutzt
Dein PHQ-9-Score ist ein Snapshot. Wert hat er erst im Verlauf. Tracke ihn regelmäßig und schau dir an:
- Trend über Wochen. Steigt, fällt, stagniert?
- Welche Items dominieren? Sind es die vegetativen (3 bis 5) oder die kognitiven (6 bis 7)?
- Wechselnde Items. Zeigen sich Symptome in einer typischen Reihenfolge bei Verschlechterung?
Diese Muster sagen mehr als der Gesamtscore.
Der PHQ-9 ist kein Selbsturteil
Eine wichtige Erinnerung. Der PHQ-9 ist ein Screening-Instrument, keine Diagnose. Ein hoher Score bedeutet nicht, dass du eine Depression hast. Ein niedriger Score bedeutet nicht, dass alles in Ordnung ist.
Er ist ein Werkzeug, das dir hilft, ehrlich mit dir selbst zu sein und mit deinem Therapeuten oder Arzt strukturiert zu sprechen. Mehr nicht, aber auch nicht weniger.
Weiterlesen
- PHQ-9, GAD-7 & Co. gibt dir den großen Überblick aller validierten Fragebögen.
- Wirkt mein Medikament? So nutzt du Mood-Daten zeigt, wie du PHQ-9-Verläufe für Therapie-Entscheidungen nutzt.
- Muster in der Stimmung erkennen ergänzt PHQ-9 um tägliches Tracking.
- Burnout erkennen, bevor es zu spät ist zeigt, wann PHQ-9 als Frühwarnsignal hilft.
- Original-Validierungsstudie: Kroenke et al. (2001)
- Sensitivität für Verlaufsmessung: Löwe et al. (2004)
- Cutoff-Validität in Primary Care: Manea et al. (2012) Meta-Analyse