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PHQ-9: Jede Frage erklärt

Was die 9 Items wirklich messen und wie du sie für dich auslegst

Marvin Blome 9 Min. Lesezeit

PHQ-9 Selbsttest

Beantworte alle 9 Fragen, um deinen Score zu ermitteln. Bezugszeitraum: die letzten zwei Wochen.

Hinweis: Der PHQ-9 ist ein wissenschaftlich validiertes Screening-Instrument, keine Diagnose. Deine Eingaben werden ausschließlich lokal in deinem Browser verarbeitet und nirgendwo gespeichert.
Fortschritt1 / 9
Frage 1
Wenig Interesse oder Freude an deinen Tätigkeiten
Frage 2
Niedergeschlagenheit, Schwermut oder Hoffnungslosigkeit
Frage 3
Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen, oder vermehrter Schlaf
Frage 4
Müdigkeit oder Gefühl, keine Energie zu haben
Frage 5
Verminderter Appetit oder übermäßiges Bedürfnis zu essen
Frage 6
Schlechte Meinung von dir selbst; Gefühl, ein Versager zu sein oder die Familie enttäuscht zu haben
Frage 7
Schwierigkeiten, dich auf etwas zu konzentrieren (z. B. beim Lesen, Fernsehen, Arbeiten)
Frage 8
Verlangsamung beim Bewegen oder Sprechen — oder Unruhe und Zappeligkeit, sodass es anderen aufgefallen ist
Frage 9
Gedanken, dass du lieber tot wärst oder dir Leid zufügen möchtest

Warum jede Frage wichtig ist

Der PHQ-9 sieht harmlos aus. Neun Fragen, vier Antwortstufen, Score am Ende. Aber jedes Item misst eine andere Facette depressiver Symptomatik. Wer die Fragen versteht, kann sich differenzierter einschätzen.

In diesem Cluster gehe ich jede Frage durch. Was sie misst, warum sie drin ist, und worauf du beim Beantworten achten solltest.

Die Skala kurz wiederholt

Jede Frage bezieht sich auf die letzten zwei Wochen und wird auf einer Skala von 0 bis 3 beantwortet:

  • 0: Überhaupt nicht
  • 1: An einzelnen Tagen
  • 2: An mehr als der Hälfte der Tage
  • 3: Beinahe jeden Tag

Maximal 27 Punkte. Score-Bereiche und Schweregrade findest du in unserem Leitfaden zu klinischen Fragebögen.

Die 9 Items im Überblick

1
Anhedonie
Freude
2
Niedergeschlagenheit
Stimmung
3
Schlaf
Vegetativ
4
Energie
Vegetativ
5
Appetit
Vegetativ
6
Selbstwert
Kognition
7
Konzentration
Kognition
8
Psychomotorik
Verhalten
9
Suizidgedanken
Risiko

Item 1: Wenig Interesse oder Freude an deinen Tätigkeiten

Misst Anhedonie, also den Verlust an Freude. Anhedonie ist eines der zwei Kernsymptome depressiver Episoden im DSM-5.

Worauf du achten solltest: Es geht nicht um „weniger Freude als andere Menschen", sondern um weniger Freude als sonst bei dir. Vergleich mit deinem eigenen Normal.

Item 2: Niedergeschlagenheit, Schwermut oder Hoffnungslosigkeit

Misst gedrückte Stimmung, das zweite Kernsymptom. Wenn Item 1 oder Item 2 hoch sind, ist das diagnostisch relevant.

Worauf du achten solltest: Hoffnungslosigkeit ist schwerwiegender als reine Traurigkeit. Wenn du die letzten zwei Wochen oft das Gefühl hattest, dass nichts mehr besser wird, gehört das hierher.

Item 3: Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen oder zu viel Schlaf

Misst Schlafstörungen, in beide Richtungen. Insomnie und Hypersomnie sind beide Symptome.

Worauf du achten solltest: Wenn du wegen eines Babys oder Schichtarbeit schlecht schläfst, ist das nicht das, was hier gemeint ist. Es geht um Schlafprobleme, deren Ursache innen liegt.

Item 4: Müdigkeit oder Energiemangel

Misst vegetative Erschöpfung, also Müdigkeit, die nicht mit Schlaf weggeht.

Worauf du achten solltest: Wenn du körperlich krank bist, hast du auch Energiemangel. Das macht den PHQ-9 in solchen Phasen unscharf. Trenne in Gedanken körperliche Ursachen von psychischen.

Item 5: Verminderter Appetit oder übermäßiges Bedürfnis zu essen

Auch hier in beide Richtungen. Appetit-Verlust und Heißhunger sind beides Symptome.

Worauf du achten solltest: Diäten oder bewusste Ernährungsumstellungen zählen nicht. Es geht um ungewollte Veränderungen.

Item 6: Schlechte Meinung von dir selbst, Versagensgefühl

Misst kognitive Verzerrungen im Selbstbild. Selbstkritik bis hin zum Gefühl, deine Familie oder dich selbst enttäuscht zu haben.

Worauf du achten solltest: Realistische Selbstkritik nach echtem Versagen ist nicht das gleiche wie ein generalisiertes Versagensgefühl. Es geht um die zweite Variante.

Item 7: Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren

Misst kognitive Beeinträchtigung. Konzentrationsprobleme bei alltäglichen Dingen wie Lesen, Fernsehen oder Arbeiten.

Worauf du achten solltest: Ablenkungen durch Smartphones oder offene Bürolandschaften sind nicht das, was hier gemeint ist. Es geht um Konzentration, die innen blockiert ist.

Item 8: Verlangsamung oder Unruhe, sodass es anderen aufgefallen ist

Misst psychomotorische Veränderungen, also Bewegungs- oder Sprechmuster, die sich verändern.

Worauf du achten solltest: Das einzige Item mit einem externen Marker. Wenn niemand dir gesagt hat, dass du langsamer oder unruhiger wirkst, ist die Antwort meistens 0.

Item 9: Gedanken, dass du lieber tot wärst oder dir Leid zufügen möchtest

Das kritische Item. Misst suizidale Gedanken.

Worauf du achten solltest: Wenn du hier eine 1 oder höher angibst, hol dir Unterstützung. Auch flüchtige Gedanken zählen. Das ist kein Versagen, es ist ein Signal, das ernst gehört. Eine Studie von Simon et al. (2013) zeigte, dass selbst ein Wert von 1 auf Item 9 mit einem 10-fach erhöhten Suizidrisiko in den folgenden 12 Monaten verbunden ist. Dieses Item ist kein Bonus, es ist klinisch entscheidend.

In Deutschland erreichst du die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder online unter telefonseelsorge.de.

Wie du den Score nutzt

Dein PHQ-9-Score ist ein Snapshot. Wert hat er erst im Verlauf. Tracke ihn regelmäßig und schau dir an:

  • Trend über Wochen. Steigt, fällt, stagniert?
  • Welche Items dominieren? Sind es die vegetativen (3 bis 5) oder die kognitiven (6 bis 7)?
  • Wechselnde Items. Zeigen sich Symptome in einer typischen Reihenfolge bei Verschlechterung?

Diese Muster sagen mehr als der Gesamtscore.

Der PHQ-9 ist kein Selbsturteil

Eine wichtige Erinnerung. Der PHQ-9 ist ein Screening-Instrument, keine Diagnose. Ein hoher Score bedeutet nicht, dass du eine Depression hast. Ein niedriger Score bedeutet nicht, dass alles in Ordnung ist.

Er ist ein Werkzeug, das dir hilft, ehrlich mit dir selbst zu sein und mit deinem Therapeuten oder Arzt strukturiert zu sprechen. Mehr nicht, aber auch nicht weniger.

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