Eine saisonale Depression (Fachbegriff: Seasonal Affective Disorder, SAD, oft "Winterdepression") ist schwer im Kopf zu rekonstruieren. Im Februar erinnerst du dich nicht mehr genau, wie es dir im November ging, und im Juli, wenn es dir besser geht, scheint die letzte dunkle Phase weit weg. Genau diese Erinnerungslücke ist das Problem: Wer ein saisonales Muster vermutet, braucht einen Verlauf über Monate und idealerweise mehrere Jahre, nicht eine Momentaufnahme.
InnerPulse ist als Begleiter für genau solche Langzeit-Beobachtungen gebaut. Du loggst deine Stimmung in etwa zehn Sekunden pro Tag, hältst die Faktoren fest, die im Winter relevant werden (Tageslicht, Draußensein, Bewegung, Schlaf), und siehst über die Jahre, ob sich ein wiederkehrendes Tief abzeichnet. Wichtig vorweg: InnerPulse stellt keine Diagnose. Es liefert dir eine strukturierte Selbstbeobachtung, die du selbst einordnen oder mit einer Ärztin besprechen kannst.
Warum ein saisonales Muster nur im Langzeit-Verlauf sichtbar wird
Das Kennzeichen einer saisonalen Depression ist nicht ein einzelnes schlechtes Tief, sondern die Wiederkehr. Stimmung und Energie gehen in der dunklen Jahreshälfte runter und im Frühjahr wieder rauf, Jahr für Jahr in ähnlichem Rhythmus. Aus dem Gedächtnis lässt sich das fast nie sauber rekonstruieren, weil das aktuelle Befinden die Erinnerung verzerrt: An einem grauen Januartag fühlt es sich an, als sei es immer so gewesen.
Deshalb ist der entscheidende Schritt, früh und kontinuierlich aufzuzeichnen. Ein einzelner Winter zeigt dir, ob es ein Tief gab. Zwei oder drei Winter zeigen dir, ob es ein Muster gibt. InnerPulse ist genau darauf ausgelegt: leicht genug zum täglichen Loggen, ohne Druck, mit Werkzeugen, die den Verlauf über Monate und Jahre lesbar machen.
Year-in-Pixels: das ganze Jahr auf einem Bildschirm
Das wichtigste Werkzeug für diesen Anwendungsfall ist die Year-in-Pixels-Ansicht. Jeder Tag ist ein farbiger Punkt, eingefärbt nach Stimmungsband: Rottöne für niedrige Werte, Gelb in der Mitte, Grün für gute Tage. Über ein ganzes Jahr ergibt das ein Gitter aus 365 Punkten.
Ein saisonales Muster springt in dieser Ansicht sofort ins Auge. Wenn die Monate November bis Februar deutlich röter sind als der Rest des Jahres, siehst du das nicht als Statistik, sondern als Bild. Und weil InnerPulse die Daten über Jahre behält, kannst du Winter mit Winter vergleichen: War der letzte schlimmer als der vorletzte? Hat eine Veränderung (mehr Tageslicht, ein Umzug, eine Therapie) etwas verschoben? Der Jahresvergleich macht aus einem diffusen Gefühl eine konkrete Beobachtung.

Der Wetter-Faktor: optionale WeatherKit-Anbindung
Bei saisonaler Depression liegt der Verdacht nahe, dass Wetter und Licht eine Rolle spielen. InnerPulse kann hier helfen, ohne dass du selbst Buch führen musst. Wenn du die optionale WeatherKit-Anbindung aktivierst, ergänzt die App zu deinem Eintrag automatisch das aktuelle Wetter und ordnet es einem Faktor zu (zum Beispiel sonnig oder regnerisch). Die Korrelations-Engine kann dann auswerten, ob deine Stimmung an sonnigen Tagen systematisch anders ausfällt als an grauen.
Das ist bewusst opt-in. Die Wetterabfrage läuft über Apple, und du entscheidest, ob du sie nutzen willst. Wenn nicht, trackst du den Wetterbezug von Hand oder lässt ihn weg. Das verändert nichts am Datenschutzprinzip: Deine Einträge bleiben auf dem Gerät.
Tageslicht, Draußensein, Bewegung: die Faktoren, die im Winter zählen
Bei einem Verdacht auf Winterdepression sind ein paar Faktoren besonders aufschlussreich. InnerPulse bringt über 100+ vordefinierte Faktoren in 10 Kategorien mit, und du kannst sie frei bearbeiten oder eigene anlegen. Für diesen Anwendungsfall lohnen sich vor allem:
- Draußensein und Tageslicht. Wie viel Zeit hast du heute bei Tageslicht draußen verbracht? Gerade im Winter ist das oft der Hebel mit dem größten Effekt.
- Bewegung und Sport. Hat ein Spaziergang am Vormittag den Tag spürbar gehoben?
- Schlaf und Schlafqualität. Saisonale Tiefs gehen oft mit verändertem Schlafbedarf einher. InnerPulse erfasst Schlafqualität als eine der fünf Subdimensionen neben dem 1-10 Mood-Score.
- Sozialkontakt. Zieht man sich im Winter zurück, und folgt die Stimmung diesem Rückzug?
Die Korrelations-Engine arbeitet komplett auf dem Gerät und übersetzt die Daten in Klartext-Sätze. Statt eines Diagramms, das du selbst deuten musst, liest du zum Beispiel: "An Tagen mit Zeit draußen war Deine Stimmung im Schnitt höher." Es gibt auch die Folgetag-Analyse (Lag), die Effekte über einen Tag hinweg sichtbar macht, etwa ob ein bewegungsreicher Tag die Stimmung am nächsten Morgen mittrug.
PHQ-9 zur Verlaufsbeobachtung
Neben dem täglichen Mood-Score kannst du in InnerPulse klinische Selbsttests durchführen, die im UI verfügbar sind: PHQ-9 (Depression), GAD-7 (Angst), PHQ-4 (Schnellcheck) und K10 (allgemeine psychische Belastung). Für den saisonalen Anwendungsfall ist der PHQ-9 besonders nützlich, weil er Symptomschwere in einem standardisierten Wert ausdrückt.
Der Sinn ist hier ausdrücklich die Verlaufsbeobachtung, nicht die Selbstdiagnose. Wenn du den PHQ-9 etwa alle ein bis zwei Wochen ausfüllst, bekommst du eine Kurve, die zeigt, ob die Symptomlast mit der dunklen Jahreszeit ansteigt und im Frühjahr wieder sinkt. Diese Kurve ist genau die Art Evidenz, die eine ärztliche Einschätzung unterstützt. InnerPulse rechnet die Werte korrekt nach den publizierten Schweregradbändern, trifft aber keine Aussage darüber, ob du eine saisonale Depression hast. Das ist ärztliche Arbeit.
Ein wichtiger Sicherheitshinweis: Das Drei-Stufen-Flag-System der App reagiert auf kritische Antworten. Wenn ein Screening auf eine akute Belastung hindeutet, blendet InnerPulse Krisen-Kontakte für die DACH-Region ein (in Österreich 142, in der Schweiz 143, in Deutschland kostenlose 0800-Nummern). Eine App ersetzt im Akutfall niemals professionelle Hilfe.
Ein konkretes Szenario über drei Winter
Stell dir vor, du startest im Oktober, weil du den Verdacht hast, dass die kalte Jahreszeit dich jedes Jahr trifft. Im ersten Winter loggst du täglich, ergänzt Faktoren wie Draußensein und Schlaf und füllst alle zwei Wochen den PHQ-9 aus. Im Frühjahr schaust du auf die Year-in-Pixels-Ansicht und siehst ein deutliches rotes Band von Dezember bis Februar.
Im zweiten Winter weißt du dank der Korrelationen schon, dass Tageslicht bei dir der stärkste Hebel ist, und du kannst gezielt gegensteuern. Der Jahresvergleich zeigt, ob das etwas gebracht hat. Im dritten Winter hast du eine belastbare, über Jahre gewachsene Datenbasis, die du in einem Termin auf den Tisch legen kannst, statt aus dem Gedächtnis zu erzählen. Aus einem vagen "im Winter geht es mir immer schlechter" wird eine nachvollziehbare Kurve.
Datenschutz: Stimmungsdaten gehören dir
Stimmungs- und Symptomdaten sind sensibel. InnerPulse speichert alles ausschließlich auf dem Gerät (SwiftData), ohne Konto, ohne Cloud, ohne Analytics- oder Tracking-SDKs. Mit einem Netzwerk-Monitor wie Little Snitch lässt sich in Minuten überprüfen, dass nichts nach außen geht. Die optionalen Anbindungen an Apple Health und WeatherKit teilen Daten nur mit Apple, und nur wenn du es aktivierst. Eine biometrische Sperre per Face ID oder Touch ID ist möglich.
Die ehrliche Kehrseite: Es gibt keine eigene Cloud. Ohne iCloud-Backup oder Export sind deine Daten nach einem Geräteverlust weg. Für den Export stehen CSV (auch pro Einzelfrage), JSON und ein PDF-Report bereit, etwa für einen Arzttermin.
Wann eine andere App besser passt
InnerPulse ist auf Tiefe und Langzeit-Verlauf ausgelegt, nicht auf Lichttherapie-Anleitungen oder geführte Programme. Wenn du vor allem strukturierte Übungen, einen Account und Cloud-Sync zwischen Geräten suchst, ist eine medizinisch positionierte App mit geführten Kursen womöglich die bessere Wahl. Wenn du nur ein hübsches, simples Icon-Tagebuch ohne klinischen Anspruch willst, reicht eine leichtgewichtigere App. InnerPulse lohnt sich, wenn du das saisonale Muster wirklich verstehen und über Jahre belegen willst.
Weiterführend
- InnerPulse im Überblick: Funktionen, Datenschutz, Preis.
- InnerPulse bei PMDS: der zyklus-prospektive Tracking-Workflow, ein verwandter Fall von wiederkehrenden Mustern.
- InnerPulse in der Therapie: wie du die Daten für Termine aufbereitest.
- InnerPulse vs Apple Health State of Mind: Unterschied zwischen Momentaufnahme und Langzeit-Verlauf.
- Blog: Datenanalysen und Hintergründe rund um Stimmung und Faktoren.
Loslegen
InnerPulse kostet einmalig 4,99 € im App Store. Kein Abo, keine Cloud, kein Account. Der beste Start, wenn du ein saisonales Muster vermutest: vor der dunklen Jahreszeit installieren, täglich loggen und im Frühjahr auf den Verlauf schauen. Beobachtung und Selbsteinschätzung, ausdrücklich keine Diagnose. Bei akuter Belastung blendet die App Krisen-Kontakte ein.
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