Finch ist eine der meistgeliebten Self-Care-Apps im App Store. Das Prinzip ist klug: Du ziehst einen virtuellen Vogel auf, und jedes Mal, wenn du auf dich achtest, eine Atemübung machst oder deine Stimmung eincheckst, wächst dein Begleiter. Self-Care wird zum Spiel, und für viele Menschen ist genau das der Funke, der eine Routine entstehen lässt.
InnerPulse geht den umgekehrten Weg. Es ist kein Spiel und will keines sein. Es ist ein Therapie-Companion fuer Menschen, die in Therapie sind, auf einen Platz warten oder eine Medikamenten-Einstellung durchlaufen. Es gibt keinen Vogel, keine Belohnung, keine Streak, die du verlieren kannst. Stattdessen gibt es klinische Screenings, eine Korrelations-Engine und einen Export, den du in die nächste Sitzung mitnehmen kannst. Diese Seite erklärt ehrlich, wann Finch die bessere Wahl ist und wann InnerPulse.
| Feature | InnerPulse | Finch |
|---|---|---|
| Positionierung | Therapie-Companion | Gamifizierte Self-Care |
| Kernidee | Klinisches Signal fuer die Therapie | Begleit-Vogel, der durch Self-Care wächst |
| Gamification | Keine (bewusst, kein Vogel, keine Belohnung) | Zentral (Vogel, Energie, Quests) |
| Streaks | Keine (Anti-Guilt) | Ja, Teil der Motivation |
| Klinische Screenings | PHQ-9, GAD-7, PHQ-4, K10 | Keine validierten Instrumente |
| Stimmungsskala | 1-10 + 5 Dimensionen | Einfacher Mood-Check |
| Einflussfaktoren | 100+ vordefiniert + Korrelations-Engine | Reflexions-Prompts, keine Korrelation |
| Therapie-Export | CSV pro Einzelfrage, JSON, PDF-Report | Nicht dafuer gebaut |
| Datenspeicher | Nur auf dem Gerät, kein Account | Account/Cloud-basiert |
| Preis | Einmalig 4,99 € | Freemium mit Abo |
| Zielgruppe | Menschen, die an ihrer mentalen Gesundheit arbeiten | Wer Motivation durch Niedlichkeit und Routine sucht |
Finchs Kernstärke: Motivation durch Niedlichkeit
Finchs eigentliche Leistung ist psychologisch, nicht technisch. Self-Care fällt vielen Menschen schwer, weil sie sich abstrakt und belohnungslos anfühlt. Finch löst das, indem es ein Wesen zwischen dich und die Aufgabe stellt: Du machst die Atemübung nicht für dich, du machst sie für deinen Vogel. Das klingt simpel, aber es funktioniert, weil es Fürsorge externalisiert. Für dich selbst zu sorgen fällt schwer, für jemand anderen zu sorgen fällt leichter.
Wenn dir bisher jede Self-Care-Routine nach ein paar Tagen eingeschlafen ist, ist diese Mechanik möglicherweise genau das, was du brauchst. Finch ist warm, charmant und niedrigschwellig. Es nimmt mentale Gesundheit ernst, verpackt sie aber so, dass das Öffnen der App sich wie eine kleine Freude anfühlt und nicht wie eine Pflicht.
InnerPulses Kernstärke: ein Signal, das in die Therapie passt
InnerPulse verfolgt ein anderes Ziel. Es will dir nicht beim Durchhalten helfen, sondern dir und deiner Therapeutin zeigen, was wirklich los ist. Statt eines einfachen Mood-Checks bekommst du einen 1-10 Score plus fünf Subdimensionen (Energie, Ruhe, Fokus, Schlafqualität, soziale Energie). Das dauert ein paar Sekunden länger, liefert dafür aber Daten, mit denen man arbeiten kann.
- Die Korrelations-Engine wertet 100+ Einflussfaktoren aus (Schlaf, Sport, Koffein, soziale Kontakte, Wetter, Arbeitsstunden, Medikamente) und zeigt Zusammenhänge in Klartext-Sätzen, zum Beispiel "An Tagen mit Sport hast Du 40% öfter gesund gegessen" oder "Nach Tagen mit wenig Schlaf ist Deine Stimmung am nächsten Tag niedriger". Mehr dazu im InnerPulse-Blog zu Datenanalysen.
- Die klinischen Screenings (PHQ-9 für Depression, GAD-7 für Angst, K10 für allgemeine Belastung, PHQ-4 als Schnellcheck) produzieren Werte, die direkt an klinische Kriterien anschließen. Das ist ausdrücklich Selbsteinschätzung und keine Diagnose, aber es ist die Sprache, die deine Behandlerin ohnehin spricht.
- Der Export (CSV, JSON, PDF-Report) ist gebaut, um ihn in einen Termin mitzunehmen. Finch hat dafür keinen Anspruch und keinen Mechanismus.

Der große Unterschied: keine Gamification, keine Streaks
Das ist der Kern dieses Vergleichs. Finch motiviert über Wachstum, Belohnung und Konsistenz. Das ist für viele Menschen ein Geschenk. Aber es gibt eine Gruppe, für die genau diese Mechanik zum Problem wird: Menschen, die ihre Stimmung tracken, weil sie gerade kämpfen.
Wer in einer depressiven Episode steckt, hat oft schon das Gefühl, an allem zu scheitern. Ein System, das Konsistenz belohnt, dreht dieses Gefühl ungewollt weiter. Einen Tag in einer schlechten Woche verpassen, eine Belohnungskette unterbrechen, sehen wie der Vogel hungrig wird, und das Werkzeug, das helfen sollte, fühlt sich wie ein weiterer Vorwurf an. Genau diesen Effekt beschreiben wir auch im Vergleich mit Daylio, wo Streaks ein zentrales Feature sind.
InnerPulse hat bewusst keinen Streak-Zähler, keinen Begleiter, keine Belohnung. Das Produktprinzip lautet: emotional leicht zu öffnen, auch an schlechten Tagen. Verpasste Tage kannst du ohne Strafe nachtragen. Ein Tool, das dich durch eine schwere Phase begleiten soll, darf nicht gleichzeitig ein Drucksystem sein. Wenn du also schon einmal eine Self-Care-App aufgegeben hast, weil das schlechte Gewissen größer war als der Nutzen, ist dieser Ansatz für dich gebaut.
Wann zählt welche App?
Finch zählt, wenn:
- Bisher jede Routine nach wenigen Tagen eingeschlafen ist und du einen äußeren Anstoß brauchst.
- Dich Niedlichkeit, Wachstum und kleine Belohnungen motivieren statt zu stressen.
- Du dir leichtgewichtige Self-Care-Impulse und Atemübungen wünschst, eingebettet in eine freundliche Spielwelt.
- Nichts Akutes ansteht und du vor allem eine warme, motivierende Begleitung suchst.
InnerPulse zählt, wenn:
- Du eine Diagnose hast oder vermutest (Depression, Angst, Burnout, PMDS, bipolar) und Symptome so dokumentieren willst, wie sie deine Behandlerin sieht.
- Du auf einen Therapieplatz wartest (in Deutschland im Schnitt rund 142 Tage) und der Wartezeit Struktur geben willst. Wie das konkret aussieht, zeigt die Seite InnerPulse bei Angst.
- Du ein Medikament angefangen oder abgesetzt hast und objektive Daten brauchst, ob sich etwas bewegt.
- Du Belohnungssysteme als zusätzlichen Druck empfindest und ein Werkzeug ohne Schuld-Mechanik suchst.
- Dir maximaler Datenschutz wichtig ist und "nichts verlässt mein Handy" für dich zählt.
Datenschutz: Account und Cloud vs. nur dein Gerät
Finch arbeitet, wie die meisten Self-Care-Apps mit sozialen und Cloud-Elementen, mit einem Account und serverseitiger Speicherung. Das ist für viele kein Problem und ermöglicht Komfort wie Geräteübergreifenden Zugriff.
InnerPulse hat keine eigene Cloud, keinen Account und keine Tracking-SDKs. Deine Daten liegen ausschließlich auf dem Gerät (SwiftData), und du kannst das mit einem Netzwerk-Monitor wie Little Snitch in wenigen Minuten überprüfen. Optional sicherst du die App mit Face ID oder Touch ID. Der ehrliche Nachteil: Ohne iCloud-Backup oder Export sind die Daten nach Geräteverlust weg. InnerPulse ist DSGVO-nativ und in Europa entwickelt, mehr dazu auf der Seite über den Entwickler. Wenn lokaler Datenschutz dein Hauptkriterium ist, lohnt auch ein Blick auf Mood Tracker ohne Abo.
Die Preisfrage
Finch ist kostenlos nutzbar, viele Funktionen liegen aber hinter einem Abo. Über die Jahre summiert sich das. InnerPulse kostet einmalig 4,99 € für die gesamte App, ohne Abo, ohne In-App-Käufe, inklusive Family Sharing. Du zahlst einmal und besitzt das Werkzeug.
Fairerweise: Finchs Gratis-Stufe ist großzügig genug, dass viele nie zahlen. Wenn dir die kostenlosen Funktionen reichen, ist Finch faktisch gratis. InnerPulse hat keine Gratis-Stufe, dafür auch kein Abo.
Klinische Abgrenzung
InnerPulse ist ein Werkzeug zur Beobachtung und Selbsteinschätzung, ausdrücklich keine Diagnose und kein Ersatz für eine Behandlung. Die Screenings liefern objektive Werte, keine Urteile. Erkennt die App eine akute Belastung, blendet sie Krisen-Kontakte für die DACH-Region ein (AT 142, CH 143, DE 0800-Nummern). Bei Faktoren wie Medikamenten zeigt InnerPulse nur zeitliche Zusammenhänge und nie Wirksamkeitsaussagen.
Die ehrliche Antwort
Wenn du Mühe hast, überhaupt anzufangen, und ein warmes, motivierendes System brauchst, das Self-Care leicht und sogar freudvoll macht: fang mit Finch an. Der Begleit-Vogel ist kein Gimmick, sondern eine durchdachte Motivationsmechanik, und für viele Menschen ist genau das der Einstieg.
Wenn du dagegen mit Depression, Angst, Burnout oder einer Medikamentenumstellung zu tun hast, wenn Belohnungssysteme dich eher unter Druck setzen, oder wenn du Daten willst, die du wirklich in die Therapie mitbringen kannst: nimm InnerPulse. Einmalig 4,99 €, ohne Gamification, ohne Streaks, gebaut für genau die Tage, an denen das Öffnen einer App ohnehin schwerfällt. Mehr über die App erfährst du auf der Seite zu InnerPulse.
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