
Faktoren sind das zweite große Daten-Konzept neben der Stimmung. Während die Stimmung sagt "wie es mir geht", sagen Faktoren "was am Tag passiert ist". Die Kombination aus beidem ist, was Korrelationen und Muster überhaupt möglich macht.
Dieses Kapitel erklärt, woher die Vorschläge kommen, wie du eigene Faktoren und Kategorien anlegst und wie die App Wochentags-Muster automatisch erkennt.
Was Faktoren sind
Faktoren sind Tags, die du jedem Eintrag zuordnest. "Sport gemacht", "Viel Kaffee", "Streit/Konflikt", "Meditiert", "Zykluswoche". Jeder Faktor gehört zu einer Kategorie wie Schlaf, Soziales, Selbstfürsorge oder Bewegung.
InnerPulse bringt eine umfangreiche Sammlung vorinstallierter Faktoren mit, verteilt über elf Kategorien. Dazu kommen deine eigenen Faktoren und Kategorien, die du frei anlegen kannst. Über die Zeit lernt die App, welche Faktoren bei dir wichtig sind und welche du selten setzt.
Die elf System-Kategorien
Die vorinstallierten Faktoren liegen in folgenden Kategorien:
- Schlaf: Gut geschlafen, Schlecht geschlafen, Ausreichend Schlaf (7h+), Wenig Schlaf (<6h), Früh ins Bett, Spät ins Bett, Durchgeschlafen, Oft aufgewacht.
- Ernährung: Gesund gegessen, Ungesund gegessen, Selbst gekocht, Fast Food, Genug getrunken, Viel Kaffee, Alkohol, Proteinreich, Mahlzeit ausgelassen.
- Arbeit: Produktiv, Unproduktiv, Fokussiert, Unfokussiert, Deep Work, Themen-Hopping, Entspannter Tag, Deadline-Stress, Pünktlich Feierabend, Überstunden.
- Bewegung: Sport gemacht, Kein Sport, Viel bewegt, Nur gesessen, Draußen/Natur, Laufen/Joggen, Krafttraining, Spaziergang, Stretching/Yoga. Plus eine größere Auswahl spezifischer Workout-Faktoren, die über die Apple-Health-Integration aktiv werden (Radfahren, Schwimmen, Wandern, HIIT, Pilates, Tanzen, Klettern, Tennis, Kampfsport und weitere).
- Soziales: Zeit mit Freunden, Zeit mit Familie, Gutes Gespräch, Streit/Konflikt, Einsam gefühlt, Verstanden gefühlt, Date/Romantik, Neue Leute kennengelernt, Geselliger Anlass.
- Digital: Wenig Bildschirmzeit, Viel Bildschirmzeit, Kein Handy vorm Schlafen, Handy vorm Schlafen, Social Media Doom-Scroll, Social Media Pause, Digital Detox.
- Entertainment: Videos schauen, Serien, Filme, Gaming, Shorts, Doomscrolling.
- Selbstfürsorge: Auszeit/Me-Time, Keine Zeit für mich, Entspannt, Grübeln/Sorgen, Hobby/Kreativ, Durchgearbeitet, Meditiert, Journaling, Musik gehört, Lesen.
- Gesundheit: Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Erkältet/Krank, Allergien, Periodenschmerzen, PMS, Zykluswoche, Medikament genommen, Supplement genommen, Energiereich, Energielos/Müde, Verdauungsprobleme.
- Umwelt: Sonnig/Gutes Wetter, Grau/Regen, Laut/Unruhig, Aufgeräumte Umgebung, Chaotische Umgebung, Reise/Unterwegs.
- Finanzen: Geld gespart, Ungeplante Ausgabe, Gehalt/Einkommen, Finanzielle Sorgen.
System-Faktoren kannst du ausblenden, aber nicht löschen. Das schützt vor versehentlichem Datenverlust. Wenn ein alter Eintrag einen Faktor referenziert, den du heute nicht mehr siehst, bleibt die Verbindung intakt.
Eigene Kategorien und Faktoren

Tippe in der Faktoren-Übersicht auf Neue Kategorie. Wähle Name, Farbe und Symbol. Innerhalb einer Kategorie legst du dann eigene Faktoren an.
Wie du umbenennst: Custom-Faktoren öffnest du zum Bearbeiten, indem du in der Kategorie-Detailansicht am Faktor nach rechts wischst. Es erscheint ein blaues Bearbeiten-Feld (Stift-Symbol). Tippe es an, und das Edit-Sheet öffnet sich, in dem du Namen, Symbol und Wochentags-Affinität anpassen kannst. Eine eigene Kategorie selbst benennst du um, indem du sie öffnest und oben rechts auf das Stift-Icon in der Toolbar tippst. System-Faktoren und System-Kategorien sind kuratiert und nicht umbenennbar.
Umbenennen ohne Datenverlust: Faktoren haben intern eine stabile UUID. Wenn du einen Custom-Faktor umbenennst, migriert die App den neuen Namen automatisch in alle vorhandenen Einträge, in Co-Occurrence-Scores und in Pair-Referenzen. Wenn du "Stress" zu "Arbeit-Stress" änderst, taucht der neue Name auch in alten Einträgen auf und der gesamte Verlauf bleibt verbunden.
Löschen entfernt auch aus alten Einträgen: Wenn du einen Custom-Faktor löschst, wird er zugleich aus allen Einträgen entfernt, in denen du ihn verwendet hattest. Löschst du eine eigene Kategorie, nimmt sie ihre enthaltenen Custom-Faktoren mit, und auch deren Referenzen werden aus allen Einträgen entfernt. Wird ein Faktor noch verwendet, fragt InnerPulse vorher kurz nach und zeigt, aus wie vielen Einträgen er entfernt wird. Bei null Verwendungen wird ohne Rückfrage gelöscht. Stimmungswerte, Notizen und alle anderen Faktoren der betroffenen Einträge bleiben unverändert.
Smart-Suggestions
Wenn du einen neuen Eintrag startest, erscheinen die wahrscheinlich relevanten Faktoren oben. Sie sind keine Zufallsauswahl. InnerPulse berechnet pro Faktor einen Score aus sechs Dimensionen, jede mit eigenem Gewicht:
- Wochentag-Affinität (Gewicht 5,0): Wenn ein Faktor einem Wochentag zugeordnet ist und heute genau dieser Wochentag ist, bekommt er den größten Bonus. Etwa "Sport gemacht" montags.
- Häufigkeit (bis 3,0): Insgesamt häufig genutzte Faktoren bleiben sichtbar, weil sie für dich offenbar relevant sind.
- Recency (bis 2,0): Faktoren, die du in den letzten drei Einträgen gesetzt hast, bekommen einen Bonus. Gestern wirkt am stärksten (+2,0), vorgestern (+1,5), vor drei Tagen (+1,0).
- Tageszeit-Affinität (bis 1,5): Manche Faktoren tauchen morgens auf, andere abends. Diese Zuordnung wird pro Kategorie als Default gesetzt und kann vom Nutzer überschrieben werden.
- Mood-Signal (1,0): Wenn du gerade einen Mood-Wert von 4 oder niedriger wählst, bekommen negative Faktoren einen Bonus. Bei 7 oder höher bekommen positive Faktoren den Bonus. Bei mittlerem Mood (5 oder 6) ist diese Dimension neutral.
- Co-Occurrence (bis 1,5): Faktoren, die du oft gemeinsam mit bereits gewählten Faktoren setzt, werden vorgeschlagen. Wenn du "Streit/Konflikt" wählst, taucht oft "Schlecht geschlafen" mit auf, weil die App diese Verbindung in deinen Daten gesehen hat.
Die Co-Occurrence-Scores klingen ab. Pro neuem Eintrag werden alle bestehenden Verbindungen mit Faktor 0,97 gewichtet. Nach 10 Einträgen behält ein Co-Occurrence-Score noch rund 74 Prozent seines Wertes, nach 50 noch rund 22 Prozent. So bleibt das Modell aktuell und alte, nicht mehr passende Muster verblassen.
Faktor-Polarität
Jeder Faktor trägt eine Polarität: positiv, negativ oder neutral. Sie wird aus dem Faktor-Namen abgeleitet (System-Faktoren) oder über die Zeit aus den Mood-Werten gelernt (Custom-Faktoren).
Die Polarität fließt konkret in die fünfte Dimension der Smart-Suggestions ein, das Mood-Signal:
- Setzt du im neuen Eintrag den Mood-Wert auf 4 oder niedriger, geht die App davon aus, dass der Tag belastend war. Sie schlägt entsprechend bevorzugt negative Faktoren vor, damit du schnell findest, was den Tag schwer gemacht hat (etwa "Schlecht geschlafen", "Streit/Konflikt", "Deadline-Stress").
- Setzt du den Mood-Wert auf 7 oder höher, hebt die App positive Faktoren hervor (etwa "Sport gemacht", "Gutes Gespräch", "Entspannt").
- Bei mittlerem Mood (5 oder 6) ist die Polarität neutral und beeinflusst die Reihenfolge nicht.
Es geht nicht darum, einen Faktor auszuschließen. Negative Faktoren erscheinen bei guter Stimmung weiter unten in der Liste, sind aber weiter sichtbar. Es geht nur um Sortier-Reihenfolge, damit das, was du wahrscheinlich brauchst, oben steht.
Erkannte Muster
Sobald genug Einträge vorhanden sind, prüft der Pattern-Detection-Service deine Faktoren auf Wochentags-Muster. Wenn ein Faktor in mindestens 60 Prozent der Einträge an einem bestimmten Wochentag vorkommt, schlägt InnerPulse vor: "Du nutzt 'Sport gemacht' häufig montags. Soll ich montags automatisch vorschlagen?"
Diese Sektion erscheint nur dann in der Faktoren-Verwaltung, wenn die App tatsächlich ein Muster gefunden hat. Solange keine Auffälligkeit vorliegt, ist der Bereich unsichtbar.
Den Schwellenwert für die Auslösung kannst du selbst einstellen. Per Default schlägt die App ein Muster erst vor, wenn ein Faktor mindestens fünfmal an demselben Wochentag vorkommt. In der Faktoren-Verwaltung kannst du diesen Wert auf 3, 5, 7 oder 10 ändern, je nachdem wie früh oder konservativ du Vorschläge willst. Niedriger Wert: früher aber wackliger. Höherer Wert: später aber sicherer.
Beim Annehmen eines Vorschlags wird die Wochentag-Affinität für den Faktor gesetzt, und die Smart-Suggestion-Engine berücksichtigt das in Zukunft stärker (Dimension 1, Gewicht 5,0).
Basis-Faktoren und Impact-Faktoren
In der Auswertung tauchen zwei Gruppen auf:
- Basis-Faktoren sind Faktoren, die in mindestens 60 Prozent deiner Einträge stehen. Sie sind dein Hintergrund. "Gut geschlafen" oder "Zeit mit Familie" könnten für dich Basis sein. Sie haben wenig Varianz, weil sie fast immer da sind.
- Impact-Faktoren sind seltener, aber wenn sie kommen, wirken sie deutlich. "Streit/Konflikt", "Reise/Unterwegs", "Periodenschmerzen".
Die Unterscheidung ist statistisch wichtig: ein Faktor, der in 95 Prozent der Tage vorkommt, kann keine Impact-Aussage liefern, weil es kaum Vergleichstage gibt. Ein Faktor, der zehnmal kommt und dann immer eine Mood-Differenz von 2 Punkten verursacht, ist hochrelevant.
Auto-Aktivierung über Apple Health
Wenn du Apple Health verbunden hast, aktiviert InnerPulse passende Faktoren automatisch. Die Logik mit Schlaf-Schwelle, persönlicher Baseline und dem Lerneffekt nach drei Ablehnungen steht im Kapitel Apple Health & Wetter. Automatisch aktivierte Faktoren sind mit einem Herz-Symbol markiert. Per-Faktor lässt sich die Auto-Aktivierung jederzeit abschalten.
Was gut zu wissen ist
- Die Schwelle für die Mustererkennung ist nicht fix. Du stellst sie in der Faktoren-Verwaltung selbst ein (3, 5, 7 oder 10 Vorkommen), Default ist 5.
- System-Faktoren sind bewusst kuratiert. Sie sind nicht beliebig erweiterbar, weil ihre Synonyme und Polaritäten manuell gepflegt sind. Wenn du etwas vermisst, leg es als Custom-Faktor an.
- Umbenennen ist ungefährlich. Die App migriert den neuen Namen automatisch in alle alten Einträge und Co-Occurrence-Daten.
- Die Suggestion-Engine berechnet alle Scores zur Laufzeit, kein Background-Job, kein Server. Bei dünner Datenbasis dauert das wenige Millisekunden, bei tausenden Einträgen unmerklich länger.
- Faktoren beim Eintrag setzen und in der Auswertung verstehen sind zwei verschiedene Tabs. Schau in Stimmungs-Tagebuch für das Setzen und in Auswertung für die Korrelations-Auswertung.